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Cary joji fukunaga


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MARA POR VIDA

Mara Salvatrucha – Die gefährlichste Gang der Welt

13 Sekunden dauert das Ritual, um in die Mara Salvatrucha aufgenommen zu werden. 13 endlose Sekunden, brutale Sekunden, in dem das künftige Mitglied von seinen Bandenkumpels mit allen Mitteln verprügelt und getreten wird. Nicht selten fließt Blut, brechen Knochen, denn nur der Schutz des Gesichts und der Genitalien ist beim sogenannten Jumping-in erlaubt. Und doch gibt es jährlich Tausende, die dazugehören wollen zur mit geschätzt 100.000 Mitgliedern größten und gefährlichsten Gang der Welt, die vor allem in Zentralamerika Zuspruch findet. Dort bietet die Mara in einem wirtschaftlich zerrütteten System Rückhalt und Sicherheit – auch wenn als Gegenleistung schwerste Verbrechen gefordert werden. Die Mara gilt als gewaltbereiter als andere Gangs: Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung sind probate Mittel im Kampf gegen Feinde und um sich Respekt zu verschaffen.


Kein Wunder also, dass das Jumping-in nur der Auftakt für das Initiationsritual ist: Als nächstes verlangt die MS-13, wie die Mara auch genannt wird, von jedem Neuzugang, einen Menschen zu töten. Erst dann wird man als Mitglied akzeptiert. Ausstieg unmöglich: Er wird nicht toleriert und mit dem Tod bestraft. Frauen, die in die Gang wollen, haben die Wahl: entweder 13 Sekunden Prügel – oder sich von mindestens drei Mitgliedern vergewaltigen lassen. Das Kräfteverhältnis der Geschlechter ist eindeutig: Die meisten Mitglieder der Mara sind Männer, aber man schätzt, dass der Frauenanteil immerhin etwa 20 Prozent ausmacht.
Die Mara ist streng militärisch organisiert. Die Fußsoldaten sind zumeist Jugendliche im Alter zwischen 13 und 17 Jahren, die systematisch ihrem Elternhaus entrissen werden. Die jüngsten Mitglieder sind sieben Jahre alt. Selten ist einer der Gangster älter als 30. Auf der untersten Ebene ist die MS-13 in sogenannte „Clikas“ organisiert, kleine Gruppen von zehn bis 70 Mitgliedern, die einem Anführer unterstellt sind, dem „Palabrero“. Diese Clikas kontrollieren einzelne Straßenzüge oder Viertel, bisweilen ganze Dörfer, denen sie jeweils eng verbunden sind. Sie selbst nennen ihre Territorien „Barrios“. Unverkennbares Erkennungszeichen sind die Tattoos, die die meisten Mitglieder tragen. Pflicht ist wenigstens eines: ein „M“ oder „MS“, manchmal auch eine „13“, gemeinsam mit dem Namen der Mutter oder eines Menschen, den man getötet hat. Für jeden getöteten Gegner lässt sich das Gangmitglied eine Träne tätowieren. Vermehrt finden sich tätowierte Schriftzüge wie „Salvadorian Pride“ oder „La vida loca“ (für „das verrückte Leben“, das man in der Gang führt, geprägt durch den ständigen Kampf gegen verfeindete Gangs). Gesichtstätowierungen sind meistens als Bestrafungen zu werten. Typisch sind außerdem Graffiti und Handzeichen, ein stilisiertes „M“ aus zwei Händen oder stilisierte Teufelshörner. Der Kleidungsstil ist wie der Sprachgebrauch unverkennbar amerikanisiert: Auch in Zentralamerika, wo die Mara den größten Zulauf hat, orientiert man sich an den Ursprüngen der Gang in Los Angeles.
Mittlerweile gilt die Mara als eine der effektivsten verbrecherischen Vereinigungen der Welt. Sie lässt die Camorra oder Mafia alt aussehen: Die Mara Salvatrucha scheffelt Milliarden mit Drogen-, Menschen- und Waffenhandel, Prostitution, Autoschieberei, Erpressung sowie der Erhebung von Wegezöllen. Gerade erst ging die Nachricht von der Ermordung des Filmemachers und Fotoreporters Christián Poveda um die Welt, der die Dokumentation „La vida loca“ über die Mara 18 (oder MS-18), die unmittelbare Konkurrenzgang der MS-13, gedreht hatte. Am 3. September 2009 wurde er mit mehreren Kugeln im Kopf in der Nähe seines Autos nördlich von San Salvador tot aufgefunden. Er wurde nach Berichten von den Banden erschossen, die er betreut hatte. El Salvadors Staatschef Mauricio Funes ordnete an, dass eine Untersuchung des Hergangs stattfinden solle. Die anderen Mitglieder der Produktion leben nun ebenfalls in Todesangst. Schon während des Drehs waren sieben Menschen ums Leben gekommen.
Die Mara Salvatrucha, wie man sie heute kennt, entstand in den 1980er-Jahren, auch wenn ihre Wurzeln im San Salvador der 1960er-Jahre zu suchen ist. Zu Beginn der 1980er forderte der Bürgerkrieg in El Salvador das Leben von mehr als 100.000 Menschen. Man schätzt, dass zwischen ein und zwei Millionen Menschen aus ihrer Heimat flüchteten und Zuflucht in den Vereinigten Staaten suchten – Wirtschaft und Regierung in El Salvador galten als zu unsicher; Angst regierte die Straßen. Die Armutsquote liegt seitdem bei 50 bis 80 Prozent.
Die erste Flüchtlingswelle aus El Salvador siedelte sich in Los Angeles an, im überwiegend hispanischen Viertel Rampart. Die bereits dort lebenden Bürger, zumeist Amerikaner mit mexikanischem Hintergrund, waren nicht angetan von den neuen Nachbarn, die nach preiswerter Unterkunft und Arbeitsplätzen suchten und die ohnehin angespannte Situation in der Gegend noch verschärften. Schon jetzt war die Nachbarschaft geplagt von Gangaktivitäten und Gewalt. Hier traten nicht nur Hispano-Gangs wie die Nuestra Familia oder Mexican Mafia in Erscheinung, sondern auch die gefürchteten und schwer miteinander verfeindeten Schwarzengangs Crips und Bloods.
Die in Südkalifornien neu angesiedelten Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus El Salvador wurden schnell Opfer von Übergriffen dieser lokalen Gangs. Um sich zu schützen und der Gewalt etwas entgegensetzen zu können, gründete eine Gruppe salvadorianischer Immigranten eine eigene Gang. Sie nannten sich Mara Salvatrucha oder MS-13. Man vermutet, dass der Name eine Kombination aus „La Mara“, Name einer gewalttätigen Schul- und Straßengang in El Salvador aus den 1960er-Jahren (die ihren Namen wiederum von den Marabunta-Ameisen ableitete, weil die alles niederwalzen, was sich ihnen in den Weg stellt), und „Salvatruchas“, eine Bezeichnung für Mitglieder der Rebellenorganisation Frente Farabundo Martí para la Liberación Nacional (in erster Linie Bauern, die als Guerillakämpfer ausgebildet wurden) ist. Die Zahl „13“ wurde später hinzugefügt, vermutlich als eine Art Hommage an die berüchtigte kalifornische Gefängnisgang Mexican Mafia.
Schnell wurden Mitglieder der Mara in Gewaltverbrechen verwickelt. Weil ihre Mitglieder als Guerillas ausgebildet worden waren und Erfahrung im Stadtkampf hatten – und damit ihren Konkurrenten bei kämpferischen Auseinandersetzungen überlegen waren –, stand die Mara im Ruf, zu den gewalttätigsten Gangs der Stadt zu zählen. Die Polizei wurde auf die Gang aufmerksam: Festgenommene Gangmitglieder wurden deportiert und nach El Salvador zurückgeschickt, wo man sie zunächst im Guezaltepeque-Gefängnis im Norden des Landes aufnahm. Im Gefängnissystem wuchs und gedieh die MS-13, unkontrollierbar, unaufhaltsam. Langsam breitete sich die Gang auch auf den Straßen der Städte aus, wo sie stetigen Zulauf erhielt. Neue Clikas der Mara schossen wie Pilze aus dem Boden.
Die Jugend in El Salvador, ohne Zukunftsaussichten und Vorbilder, bewunderte die stolzen und ungebrochenen Mitglieder der Mara, die sich einem strengen Regelwerk unterwarfen sowie gut organisiert auftraten und damit eine Alternative boten zu den chaotischen Zuständen im Land. Eines der aus Amerika deportierten Ur-Mitglieder der Mara erzählt, dass es bei seiner Rückkehr in sein Dorf eines von drei MS-13-Mitgliedern war. Bereits einen Tag später war die Clika auf 40 Mitglieder angewachsen, so groß war die Nachfrage. Binnen kürzester Zeit war die Mara Salvatrucha die größte Gang in El Salvador. In Honduras und Guatemala wurden die ersten Clikas gesichtet.
Die Mara gilt als eines der größten Probleme Zentralamerikas. Sie ist eine perfekt organisierte Verbrecherorganisation, die mit unerbittlicher Härte gegen ihre Konkurrenz, vor allem die MS-18-Gang, und die zivile Bevölkerung vorgeht. Und nicht nur das: Mittlerweile leistet sie sich auch gewaltsame Opposition gegen Polizei und Regierung. 1997 wurde der Sohn des honduranischen Präsidenten Ricardo Maduro von Mitgliedern der MS-13 entführt und ermordet. Regierungsmitglieder in Honduras werden bedroht und erpresst. Die Polizei fand die entstellte Leiche eines Mannes mit einer Nachricht an den Präsidenten von Honduras, dass weitere Menschen sterben und die nächsten Opfer Polizisten und Journalisten sein würden. Im Jahr 2004 erhielt der Präsident von Guatemala, Oscar Berger, ähnliche Drohungen.
Im Jahr 2002 stiegen Mitglieder der Mara in einen Bus im honduranischen Tegucigalpa, in dem sich 28 Menschen, darunter sieben Kinder, aufhielten, und brachten alle um. Anschließend schmierten sie Drohungen an die Außenwand des Busses.
Honduras war das erste Land, das drastische Maßnahmen nach Vorbild der Zero-Tolerance-Politik in den USA in die Wege leitete, um dem außer Kontrolle geratenen Problem Einhalt zu gebieten. Strenge Anti-Gang-Gesetze wurden erlassen. Fortan war es illegal, auch nur Verbündeter einer Gang zu sein. Wer aussah, als könnte er einer Gang angehören, konnte verhaftet werden. El Salvador erließ ein ähnliches Gesetz, das „Mano Dura“ –„harte Hand“ – getauft wurde. 2004 folgte Super Mano Dura, ein Gesetz, das noch weiter griff und der Polizei noch mehr Rechte beim Kampf gegen Ganggewalt einräumte. Ein Verdächtiger lief Gefahr, zwölf Jahre ins Gefängnis gesteckt zu werden, auch wenn er kein Verbrechen begangen hatte. Ein Gang-Tattoo reichte als Beweismittel. In Mexiko begann man 2004, stärker gegen die Mara Salvatrucha vorzugehen. Auf einen Schlag wurden 300 Gangmitglieder verhaftet, mit der Begründung, sie stellten eine Bedrohung der Gesellschaft dar.
Beim Kampf gegen die Mara wird längst nicht mehr nur zu legalen Mitteln gegriffen. In El Salvador hört man vermehrt von Todesschwadronen, vergleichbar mit der Sombra Negra, die zu Bürgerkriegszeiten unliebsame Regimekritiker beseitigte und Schrecken über das Land brachte. Sie betrachten sich als selbsternannte Henker, stehen aber vermutlich deshalb nicht im Fokus der Medien, weil sie keine Massenhinrichtungen inszenieren, sondern ihre Opfer einzeln oder höchstens in kleinen Gruppen töten. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Opfern um Gangmitglieder, aber auch andere Verbrecher. Die Bevölkerung befürwortet das Vorgehen. Die Regierung weist Vorwürfe zurück, sie würde diese Todesschwadronen unterstützen, aber es wird angenommen, dass selbige sich aus Polizisten und Mitgliedern des Militärs zusammensetzen.
Der Ausbreitung der Mara stehen derartige Maßnahmen aber kaum im Wege, was unter anderem daran liegt, dass die Gang es ihren Mitgliedern quasi unmöglich macht, wieder auszusteigen. 2004 machte die Geschichte des 16-jährigen Gangmitglieds Edward Guzman Schlagzeilen, der Guatemala im Alter von 14 Jahren den Rücken zukehrte und in die USA auswanderte, um der MS-13 zu entfliehen. Am 10. März 2004 wurde er von der Polizei aufgegriffen und wieder in sein Heimatland zurückgeschickt. Mehrere Tage versteckte er sich im Haus seiner Eltern. Als er das Haus am 20. März schließlich verließ, kam er genau fünf Straßen weit, dann wurde er erschossen, vermutlich als Bestrafung dafür, dass er die Mara verlassen hatte.
Vor allem in Zentralamerika ist die Mara Salvatrucha in eigentlich allen Ländern verbreitet. Auch die Mitgliederzahl in den nordamerikanischen Großstädten, vor allem mit hispanischer Bevölkerung, wächst. Mittlerweile bilden sich in Europa erste Clikas. Vor allem in Spanien ist die MS-13 im Kommen. Aber es heißt, dass es mittlerweile auch in Deutschland an die 200 Mareros geben soll.

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